Bewerbungs­unterlagen

Das Arbeitszeugnis richtig entschlüsseln

Das eigene Arbeitszeugnis richtig interpretieren

Egal ob Sie ein Praktikum absolviert haben oder viele Jahre in einem Unternehmen tätig waren, nach Beendigung des Dienstverhältnisses haben Sie Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Der erste Eindruck beim Lesen ist wohlklingend, denn ein Arbeitszeugnis muss wohlwollend ausfallen. Unternehmer und Personaler verwenden jedoch spezielle Formulierungen, um eine detaillierte Bewertung zu kommunizieren.

 

Arbeitszeugnisse sind wichtig bei Bewerbungen

Als Jobsuchender ist es für Sie interessant zu erfahren, welchen Stellenwert Arbeits­zeugnisse bei der Bewerbung heutzutage haben. Diesbezüglich ist eine Studie vom Staufenbiel Institut interessant, an der zum Thema Recruiting-Trends 2017 (siehe: www.staufenbiel.de) insgesamt 297 Unternehmen befragt wurden, die unzählige Bewerbungen erhielten und Vorstellungsgespräche führten. Die Studie ergab, dass Arbeits­zeug­nisse einen hohen Stellenwert haben und nach dem Lebenslauf und der Aufbereitung der Bewerbungsunterlagen, das drittwichtigste Kriterium für die Entscheidung darstellt, ob ein Bewerber zu einem Gespräch eingeladen wird oder nicht. Laut der Meinung der befragten Unternehmen erhalten Sie mit überzeugenden Arbeitszeugnissen einen entscheidenden Startvorteil, der in den meisten Fällen dazu führt, dass Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

 

Was das Arbeitszeugnis über Sie aussagt

Viele Unternehmer, die Arbeitszeugnisse ausstellen, sind keine Experten darin und formulieren unbedacht. Zu erkennen ist aber sofort, ob der ehemalige Dienstgeber mit Ihnen nur zufrieden oder von Ihnen begeistert war. Dies erkennen Sie beispielsweise am letzten Absatz, wenn der Arbeitgeber sein großes Bedauern über das Ausscheiden des Mitarbeiters ausspricht, ihm dankt und alles Gute für die Zukunft wünscht. Solch ein Tenor spricht von einem guten bis sehr guten Zeugnis. Viele Personalverantwortliche beginnen deshalb, das Arbeitszeugnis von hinten zu lesen, um herauszufinden, ob sich das Weiterlesen lohnt. Ein Arbeitszeugnis kann auch einige versteckte Kritiken ent­hal­ten, die man daran erkennt, ob etwas betont oder weggelassen wird. Wenn Sie als Telefonistin als "besonders freundlich" oder als Buchhalter "besonders ehrlich" beschrieben werden, dann könnte sich das bei zukünftigen Bewerbungen nicht so gut bei auf Sie auswirken. Arbeitszeugnisse sollten außerdem wichtige Teile der Tätigkeitsbeschreibung enthalten. Wenn diese nicht beschrieben werden, ist das ebenfalls ein versteckter Hinweis auf Unzufriedenheit.

 

Auf die Schlüsselwörter im Text achten

Sie können Ihr Arbeitszeugnis auch anhand besonderer Codewörter besser verstehen, die in vielen Fällen eins zu eins als Benotung nach dem Schulnotensystem, von "sehr gut" bis "nicht genügend", verstanden werden können. So bedeutet beispielsweise die Aussage "zur vollsten Zufriedenheit" ein "sehr gut". Die Formulierung "zur vollen Zufriedenheit" steht für eine Abstufung darunter, also "gut". Dieses Benotungsschema können Sie auf die Steigerungsfo men anderer Formulierungen umlegen, wie "erfüllte höchste Ansprüche" für "sehr gut", "stets hohe Ansprüche" für "gut", "hohe Ansprüche" für "befriedigend" und "erfüllte unsere Ansprüche" für "genügend". Wird anstatt solcher gesteigerten oder abgestuften Formulierungen extra betont, dass sich der Mitarbeiter mit "Genauigkeit und Sorgfalt" seiner Arbeit nachging, ist das ein versteckter Hinweis darauf, dass er sich zwar bemühte, die Leistung "nicht genügend" war. Personalverantwortliche achten deshalb auf Wörter wie "immer", "stets", "außerordentlich" und "sehr". Wenn diese an den entscheidenden Stellen fehlen, sinkt das Niveau des Arbeitszeugnisses. Aus diesem Grund sollten Sie nach Erhalt des Arbeitszeugnisses die versteckten Botschaften entschlüsseln und bei negativen Aussagen mit dem ehemaligen Dienstgeber über die Überarbeitung der Formulierungen sprechen.